Sonntagsgedanken

zum Lesen

„Am Sonntag, dem ersten Tag der Woche, in aller Herrgottsfrühe, gingen die Frauen mit dem Balsam, den sie besorgt hatten, zum Grab. Der Stein aber, der das Grab verschlossen hatte - er war weggerollt worden.“ (Lk 24,1-2)


Woran denken Sie beim Stichwort „Sonntag“? Ausschlafen? Gemütliches Frühstück? Tatort?

Für Christen ist der Sonntag der erste Tag der Woche, der Tag Gottes. Ein Tag, der sich gerne von allen anderen Wochentagen absetzen soll, vielleicht durch mehr Zeit für sich und die Familie, aber eben auch durch Zeit für und mit Gott.

Unsere Sonntagsgedanken sind wöchentliche Impulse von unterschiedlichen Menschen, meist zu den Schrifttexten des jeweiligen Sonntags. Lassen Sie sich inspirieren und machen Sie Ihren Sonntag zu einem besonderen Tag!

„Heute hat sich das Schriftwort erfüllt, der ihr eben gehört habt.“ Mit diesem Satz Jesu endet das Evangelium dieses Sonntags. Jesus tritt das erste Mal in der Synagoge seiner Heimatstadt auf. Die Menschen wollen ihn hören. Sie sind neugierig, was er zu sagen hat.

Das „Heute“ ist ein wichtiges Wort beim Evangelisten Lukas. Es meint weniger den damaligen Tag der Begegnung in Nazareth, sondern ist eher zeitlos. Hier und heute bis in unsere Zeit hinein, wird immer wieder das Wort Gottes lebendig, mitten im Alltag, dort, wo wir unterwegs sind mit unseren Hoffnungen und Ängsten; dort, wo wir Menschen begegnen, die Fragen haben und Antworten suchen; dort, wo wir immer wieder um den richtigen Weg, die richtige Lebensgestaltung ringen.

Dieses „Heute“ ist Zusage und Herausforderung zugleich. Zugesagt ist uns die Gegenwart und Begleitung Gottes auf unserem Lebensweg. Darauf sollen wir uns aber nicht einfach ausruhen, sondern uns als Gesendete verstehen, die neue Chancen und Lebensmöglichkeiten für die Menschen in unserer Umgebung auftun. Überall dort erfüllt sich dann das, was bei Jesaja geschrieben steht:

„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Hier wird das Heil Gottes konkret, heute, mitten im Alltag, in meinem Leben, in der Welt.

Christian Adolf

Die Band Silbermond hat vor gut zehn Jahren ein Lied unter dem Titel herausgebracht „Irgendwas bleibt“. Es handelt von der Suche nach Halt und Beständigkeit in einer Welt, die sich immer schneller dreht und in der morgen schon wieder ganz andere Dinge gelten als heute.

Der Wunsch nach Halt und Beständigkeit, der Wunsch nach etwas, das bleibt, ist zutiefst menschlich. Der Mensch braucht Ankerpunkte, die ihn halten und ihm Orientierung schenken, wenn die Welt um ihn herum ins Wanken gerät oder das Leben aus dem Ruder zu laufen droht. Was aber bleibt?

Im heutigen Evangelium zeigt Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftritt, dass er für etwas steht, das „bleibt“. Mit der Verwandlung von Wasser in Wein deutet Jesus an: Dort, wo die menschlichen, weltlichen Güter und Möglichkeiten zu Ende sind, da sind Gottes Möglichkeiten noch längst nicht am Ende. Hier ist ablesbar, dass Jesus für eine andere Wirklichkeit steht, für eine Wirklichkeit, die über Zeit, Geld, Macht und Ansehen hinausreicht. Er steht für eine Wirklichkeit, die „bleibt“.

Darauf darf auch ich mich verlassen in meinem alltäglichen Suchen und Fragen nach Halt und Orientierung.

Christian Adolf

An diesem Sonntag steht das Evangelium von der Taufe Jesu auf dem Programm. Zur Zeit Jesu darf man davon ausgehen, dass fast ausnahmslos Erwachsene getauft wurden. Möglicherweise stiegen sie wie Jesus in einen Fluss, tauchten unter und wieder auf, als Zeichen für den Beginn eines neuen Lebens mit Gott.

Bei der Taufe Jesu im Jordan ist in der biblischen Erzählung ein zentraler Satz überliefert, den Gott aus dem Himmel heraus spricht: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Diesen Satz dürfen wir auch auf uns beziehen. In jeder Taufe kommt zum Ausdruck, dass Gott uns als seine geliebten Kinder sieht. Seine Anerkennung und Liebe müssen wir uns nicht verdienen. Sie sind uns von Anfang an geschenkt, bedingungslos und ohne Forderungen.

„Du bist mein geliebtes Kind!“ – Mit dieser Bestärkung, mit diesem Rückhalt dürfen wir in unser Leben starten und unseren Lebensweg gehen, wohl wissend, dass uns diese Liebe und Anerkennung Gottes auch nicht genommen werden kann. Daran dürfen wir uns immer wieder erinnern, auch und gerade dann, wenn wir in schwierige Fahrwasser geraten und mit Herausforderungen zu kämpfen haben. Gottes Zusage und Liebe bleibt: „Du bist mein geliebtes Kind!“

Christian Adolf

Mit diesem Stichwort haben wir unseren Advents- und Weihnachtspfarrbrief überschrieben. Aber wie soll das gehen? „Menschwerdung“? Ich bin doch Mensch. Was soll da noch „werden“?

Der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus hat einmal den Satz geprägt: „Mach´s wie Gott: Werde Mensch!“ Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus tut Gott einen großen Schritt auf uns Menschen zu. Er bekommt ein menschliches Gesicht, wird greifbar, erfahrbar. An diesem Jesus können wir auch bis heute ablesen, wie eine „menschliche“ Gesellschaft aussehen kann, die von Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Würde geprägt ist.

In diesem Jesus erfahren wir die grundlegenden und immerwährende Wertschätzung Gottes. Wir dürfen uns als seine wertvollen und unbedingt geliebten Kinder verstehen. Gleichzeitig schenkt uns dieser Jesus eine Zukunftsperspektive bei Gott über den Tod hinaus.

Und aus dieser Erfahrung heraus dürfen uns sollen wir der Welt ein „menschliches“ und „menschenwürdiges“ Gesicht geben, damit die menschliche Seite Gottes auch für viele andere Menschen spürbar und greifbar wird. Das ist sicherlich leichter gesagt als getan. Ein Leben in den Spuren Gottes ist nicht immer der einfachste Weg. Das kann anstrengend werden. Aber dann geschieht wirkliche „Menschwerdung“, weil wir immer mehr zu den Menschen werden, die Gott sich bei uns gedacht hat. In diesem Sinne die Aufforderung an uns: „Mach´s wie Gott: Werde Mensch!“

Christian Adolf

Maria ist seit jeher Beispiel für ein vertrauensvolles „Sich-Einlassen“ auf die Pläne Gottes. An diesem Sonntag kommt Elisabeth, die Mutter des Johannes dazu. Die werdenden Mütter lassen sich beide auf das ein, was Gott mit ihnen vorhat. Sie schenken ihm das Vertrauen in Sinne von „Das wird schon werden!“.

Eigentlich hätten sie allen Grund Fragen zu stellen: Warum gerade wir? Wie kommt Gott dazu, gerade uns auszuwählen? Was hat er mit uns vor? …

Maria und Elisabeth halten sich nicht lange mit diesen Fragen auf, auch wenn sie keine Antworten kennen. Sie staunen einfach und sind dankbar. Sie schauen auf die liebevolle Zuwendung Gottes zu den Menschen in Johannes und Jesus und ahnen die Befreiung, die in dieser Geste liegt: Die Armen und Erniedrigten erfahren Anerkennung, die Hungrigen werden satt, die Mächtigen werden entmächtigt. Im „Magnificat“ werden ihre Hoffnung und ihre Freude greifbar. Wenn Gottes Liebe in Jesus Christus menschliche Gestalt annimmt, dann soll diese Liebe auch spürbar werden in der Welt, gerade für die Kleinen und Wehrlosen. Vor allem sie sollen hoffnungsvoll in die Zukunft schauen dürfen: „Das wird schon werden!“

Christian Adolf

Freut euch! So heißt es an diesem Sonntag in der Lesung aus dem Philipperbrief. Und wer freut sich nicht gerne… Paulus saß damals im Gefängnis und bangte um sein Leben, als er den Brief an die Gemeinde in Philippi schrieb. Das klingt so gar nicht nach Freude.
Paulus nennt auch den Grund für seine Zuversicht: Der Herr ist nahe! Gottes Ankunft bei den Menschen darf uns Anlass zur Freude sein. Dabei geht es nicht um einen Augenblick der Freude, sondern um eine Erfahrung, die unser Leben grundlegend begleiten soll. Wir dürfen uns getragen und geborgen wissen, in Zeiten, in denen es uns gut geht, aber eben auch in den Zeiten der Not und Bedrängnis. Unser Leben wird dadurch nicht angstloser oder einfacher, aber wir dürfen das Vertrauen haben, dass wir unser Leben nicht allein leben. Gott geht mit. Er will unser Heil und unser Leben. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Christian Adolf

Die Vorbereitungen laufen: Geschäftigkeit in den Straßen und in den Läden, Geschenke sind vielfach schon gekauft, die Wohnung oder das Haus sind gut geschmückt, vielleicht steht auch schon das Programm fürs Weihnachtsfest, wer wo und wann zusammenkommt, was es unbedingt zu essen geben soll.

Vorbereitung ist alles! Schließlich ist Weihnachten nicht irgendein Fest. Es ist das Fest der Liebe, der Familie, der Emotionen! Das soll alles stimmen.

Wie sieht es neben diesen äußeren Vorbereitungen denn mit den inneren Vorbereitungen aus? Ist im alltäglichen Kümmern und Vorbereiten Zeit und Muße für eine – ich nenne sie mal „Vorbereitung des Herzens“? Natürlich, Weihnachten feiern wir jedes Jahr, aber gibt es denn etwas, das bleibt, wenn der Baum wieder aus dem Wohnzimmer verschwunden ist, die Kugeln im Karton verstaut? Oder geht es dann weiter wie vorher?

Im Sonntagsevangelium von diesem Wochenende ruft Johannes der Täufer die Menschen dazu auf „dem Herrn den Weg zu bereiten.“ Dass Gott in einer Krippe Mensch wird, reicht nicht. Von diesem Ereignis soll und darf „Strahlkraft“ ausgehen. Die Welt soll eine andere werden, menschlicher, verständnisvoller, friedlicher, gerechter. Das wäre so etwas wie unsere persönliche „Menschwerdung“ – und auch die braucht ihre Vorbereitung!

Christian Adolf

„Eure Erlösung ist nahe.“ – Einer der zentralen Sätze im Sonntagsevangelium des ersten Advents. Erlösung? Wozu eigentlich? – So könnte man fragen.

Wenn ich manchmal durch die Fußgängerzone gehe oder im Zug unterwegs bin, schaue ich in die Gesichter der Menschen. Manchmal glaube ich zu sehen, dass sie schwer an ihrem Leben zu tragen haben, so ernst, sorgenvoll oder verbittert sehen sie aus. Und auch der Blick in die Gesichter unserer Gottesdienstbesucher lässt nicht immer vermuten, dass wir dort unsere „Erlösung“ durch Jesus Christus feiern.

Jedes Jahr aufs Neue bereiten wir uns im Advent auf das Weihnachtsfest vor. Wir bereiten uns darauf vor, dass der große Gott als kleines Menschenkind in unsere Welt kommt und uns „erlösen“ will. Er will uns herauslösen aus allen Abhängigkeiten, Sorgen und Nöten, sogar aus dem Tod. Weil Jesus Mensch wird, dürfen wir darauf vertrauen, dass wir über den Tod hinaus bei Gott eine Zukunft haben.

Wenn ich auf meinen Alltag schaue, dann lauern dort viele Gefahren der „Abhängigkeit“. Vielleicht ist es das Smartphone, das mich über die Maßen in Beschlag nimmt. Vielleicht ist es eine ungesunde Lebensweise, vielleicht sind es ganz andere Dinge, die mich unfrei machen.

„Eure Erlösung ist nahe.“ – So die Botschaft des ersten Advents. Vielleicht gibt es Worte Jesu, die ich in diesen Tagen des Advents neu hören und entdecken kann, die mich aufrichten und herauslösen können aus der Geschäftigkeit des Alltags.

Christian Adolf

Könige kennen wir aus Märchen oder aus den Klatschblättern. An diesem Sonntag feiert die katholische Kirche Jesus Christus als ihren König.

Wenn ich an Könige denke, dann kommen mir Bilder von Staatsempfängen in Berlin in den Kopf oder royale Hochzeiten, die im Fernsehen übertragen werden. Mit Königtum verbinde ich die schillernde Welt des Adels, rote Teppiche, glitzernde Kleider und majestätische Uniformen. Natürlich auch Macht und Einfluss.

Wie passt Jesus Christus in dieses Bild oder in diese Welt? Irgendwie gar nicht, möchte man meinen. Und trotzdem sagt Jesus von sich: „Ich bin ein König!“ Aber er sagt auch: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Und tatsächlich legt ein Blick in die Evangelien offen, dass Jesus seine Art von Königtum ganz anders versteht. Er kennt keine roten Teppiche, sondern er geht zu den Menschen, die damals keiner beachtet. Er wohnt nicht in königlichen Palästen, sondern er ist unterwegs, heute hier und morgen da, immer im Dienst für die Menschen. Er nutzt seine Macht nicht für sich, sondern versucht mit seinem Wesen, seiner Überzeugungskraft, seiner Botschaft zu punkten.

Trotzdem ist und bleibt er „König“. Er hat mit seinem Leben und Wirken den Grundstein für eine neue Wirklichkeit gelegt, die wir „Reich Gottes“ nennen. Wir dürfen und sollen daran mitwirken, damit es wächst und eines Tages wird er wiederkommen, um alles zu einem guten Ende zu führen.

Königtum, aber eben ganz anders!

 

Christian Adolf

Jesus spricht im Evangelium dieses Sonntags vom Ende; das sind Worte, die Angst machen können. Nichts bleibt beim Alten. Alles Gewohnte fällt in sich zusammen. Nichts ist mehr sicher. Selbst die Sterne fallen vom Himmel. Die Welt geht unter.

Eine dunkle Erzählung aus vergangener Zeit, möchte ich sagen. Aber wenn ich den Lauf unserer Welt beobachte, dann stellt sich auch bei mir Weltuntergangsstimmung ein: Zahlreiche militärische Auseinandersetzungen, ökologische Katastrophen mit fatalen Folgen, politische Provokationen und eben auch die kleinen und großen Zusammenbrüche in der kleinen Welt um mich herum, wo Menschen „freigesetzt“ werden, wo Beziehungen zerbrechen, wo Krankheit und Tod um sich greifen.

Dazu kommt die innere Leere aufgrund von Enttäuschungen, Ohnmacht oder Ratlosigkeit. Mit all diesen Abbrüchen fertig zu werden, ist nicht leicht.

Aber: Mitten im Ende der Welt sagt Gott einen neuen Anfang zu. Der Menschensohn wird kommen und alles zu einem guten Ende führen. Alles, was uns Menschen nicht gelungen ist, wird er zusammenfügen zu etwas, das wir „Leben in Fülle“ nennen. Nichts und niemand geht verloren, alles wird eingesammelt und hineingenommen in die neue Welt Gottes.

Das klingt für mich tröstlich, weil ich die Abbrüche und das Elend der Welt sehen kann, ohne sie schön zu reden. Ich kann mit Ängsten und Zweifeln leben, ohne daran zu zerbrechen. Weil mir eine heilvolle und endgültige Zukunft zugesagt ist, muss ich nicht in Leid und Untergang versinken.

Insofern ist auch das Evangelium vom Ende der Welt eine „frohe Botschaft“.

 

Christian Adolf

Alles nur Show. Hauptsache die Fassade glänzt. – Diesen Eindruck gewinne ich oft, wenn ich in die Zeitung schaue. Da sind Konzerne, die ihre Bilanzen frisieren, um gut da zu stehen. Ich lese von Prominenten, die medienwirksam über andere herfallen, damit sie selbst im Gespräch bleiben. Und zuletzt in Wahlkampfzeiten eben auch die Politiker, die keine Gelegenheit verpassen, auf die vermeintlichen Fehler und Schwächen des politischen Gegners zu zeigen.

Alles nur Show! – Das ist kein neues Phänomen. Das gibt und gab es zu allen Zeiten, auch zur Zeit Jesu. Schon damals wirft er den Pharisäern und Schriftgelehrten vor: Ihr tut nicht, was ihr sagt. Ihr bürdet anderen etwas auf, rührt selbst aber keinen Finger. Er fragt ihre Glaubwürdigkeit an. Eine Frage, die mich auch immer wieder bewegt: Wie glaubwürdig bin ich als Mensch, als Christ? Passt zusammen, was ich sage und was ich tue? Oder ist also alles nur Show?

Ich glaube, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten damals ernsthaft darum bemüht waren, ihren Glauben  zu leben und Gott zu gefallen. Aber – und da wird es dann gefährlich – wenn ich nur noch äußere Übungen mache und darauf achte, dass andere mich dabei sehen, dann ist alles Tun hohl und ohne innere Beteiligung. Für heute formuliert: Wenn ich ständig von Umweltschutz rede, selbst aber nichts dafür tue, wenn ich ständig von Barmherzigkeit spreche, selbst aber nicht barmherzig bin, dann ist das Heuchelei. Ich verspiele meine Glaubwürdigkeit als Mensch und auch als Christ.

Alles nur Show? - Jesus fordert von den Menschen damals diese Glaubwürdigkeit ein. Mit Recht, möchte ich sagen. Denn: Auch ich vertraue den Menschen am meisten, bei denen zusammenpasst, was sie sagen und wie sie leben.

Christian Adolf

Mittlerweile ist es November und wir sind vollständig in der dunklen Jahreszeit angekommen. Das Aufstehen morgens fällt mir ziemlich schwer. Alles ist noch dunkel und kalt. Kein Sonnenstrahl, der mich wach kitzelt, sondern meist trübes, regnerisches Wetter. Das Laub fällt von den Bäumen, alles wirkt  ein wenig trostlos.

Zu diesem Sterben in der Natur passen viele der Gedenk- und Feiertage im November: Die katholischen Feste Allerheiligen und Allerseelen erinnern an die Vorbilder des Glaubens und an die Verstorbenen. Der staatliche Volkstrauertag, der die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft würdigt. Oder der Buß- und Bettag und der Ewigkeitssonntag als Gedenktage evangelischer Christen.

Alles passt im November zusammen: Die dunklen Tage, das Sterben der Natur, die Gedenktage des Kalenders. Tod und Sterben ziehen sich wie ein roter Faden durch diese Wochen. Da kann man schon etwas schwermütig werden, sich die sonnigen Tage zurückwünschen oder die Lichter des anstehenden Advents herbeisehnen.

Gleichzeitig denke ich: Vielleicht ist es auch gut, sich wenigstens einmal im Jahr an die Endlichkeit der Natur und des menschlichen Lebens zu erinnern. Viele Menschen tun sich damit ja eher schwer. Jugendlichkeit, Gesundheit, Schönheit und Leistung, das sind die Dinge, die zählen.

Trotzdem bleibt der Tod sicherer Bestandteil unseres Lebens. Wie damit umgehen? Als Christ habe ich die Hoffnung, dass die Welt, mein Leben gehalten und getragen ist von Gott. Er ist der Anfang, der alles ins Leben ruft und er wird auch das Ende sein, das alles zu einem guten Ende führt und vollendet. Sowohl am Anfang als auch am Ende steht Gott. Das ist für mich tröstlich zu wissen und schenkt mir eine gewisse Gelassenheit. Ich darf auf eine Zukunft bei Gott hoffen in einer neuen Wirklichkeit, die keine Tränen, keine Ungerechtigkeit und schließlich auch keinen Tod mehr kennt.

Christian Adolf

Am letzten Sonntag im Oktober richtet die katholische Kirche zusammen mit dem Hilfswerk MISSIO den Blick in die Weltkirche. Über den ganzen Globus hinweg erstreckt sich das Netzwerk katholischer Christen. Auf allen Kontinenten feiert die Kirche ihre weltumspannende Gemeinschaft in Gebet und Solidarität.

In diesem Jahr richtet sich der Blick der MISSIO-Kampagne besonders auf die Menschen in Nigeria und Senegal, wo sich Christen und Muslime gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Die Kirche ist ein Haus mit offenen Türen, schreibt Papst Franziskus in der Enzyklika „Fratelli tutti“. Die Kirche in Westafrika öffnet ihre Türen für den Dialog und die Freundschaft mit Menschen anderer Religionen. Sie stellt sich in den Dienst einer weltweiten Geschwisterlichkeit, um Hass und Spaltung zu überwinden.

Früher war mit dem Begriff „Mission“ immer die Vorstellung verbunden, dass Menschen mit einem Wissen, einem Glauben, oft auch mit Geld von Europa aus in andere Regionen der Welt reisen, um die Menschen dort „auf den richtigen Weg“ zu bringen. Gott sei Dank sind wir über dieses einfache Schema hinausgewachsen und dürfen uns als weltweite Lebens- und Glaubensgemeinschaft begreifen, die miteinander auf dem Weg ist und in der alle ihren Beitrag zu geben haben. Am Sonntag der Weltmission dürfen wir von den Menschen in Nigeria und Senegal lernen: Ein friedliches und respektvolles Zusammenleben verschiedener Religionen ist möglich!

Christian Adolf

Jesus spricht in den aktuellen Sonntagsevangelien immer wieder von seinem bevorstehenden Ende. Die Jünger sorgen sich, allerdings weniger um die Sache Jesu, sondern vielmehr um sich selbst. Für sie steht die wichtige Frage im Raum: Wo werden wir in der neuen Welt Gottes wohl unseren Platz finden? Sie bitten Jesus, dass der eine doch wohl rechts und der andere dann links von ihm sitzen könne. Eine sehr menschliche Idee! Dahinter steckt vermutlich der Gedanke: Wenn wir schon mit diesem Jesus ständig unterwegs sind, nahezu alles für ihn tun, dann müssen wir doch auch einen angemessenen Platz im Himmel bekommen!

Die Antwort Jesu ist mehr als deutlich. Er erteilt den Ansprüchen der Jünger eine klare Absage. Stattdessen die Aufforderung: Wer bei euch groß sein will, der soll der Diener aller sein! Ganz andere Maßstäbe, die sich da auftun! Die neue Welt Gottes scheint anders aufgestellt zu sein, als unsere Welt hier und heute. Besitz, Titel, Seilschaften spielen keine Rolle. Und vor allem: Der Blick geht nicht zuerst auf das eigene Wohl, auf die Sorge um sich selbst. Meine Sorge und mein Handeln soll zuallererst den Menschen in meiner Umgebung gelten. Mir soll es nicht nur um mich selbst, sondern um die anderen und um die Sache Gottes gehen. Das klingt nicht besonders populär und erzeugt vielleicht auch innere Widerstände. Aber diese Maßstäbe können die Welt verändern, in meinem Alltag, in der Gesellschaft, in der Politik, aber auch in der Kirche!

Christian Adolf

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ – An diesem Sonntag wird in den katholischen Gottesdiensten mal wieder die biblische Erzählung rund um diesen Satz gelesen. Die Geschichte ist denkbar schnell erzählt: Die Jünger fragen Jesus, was sie denn tun müssen, um das ewige Leben zu gewinnen. Jesus weist auf verschiedene Gebote hin. Die Jünger meinen, sie da auf einem guten Weg und fragen weiter. Da kommt die verstörende Antwort Jesu: „Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir!

Die Geschichte macht mich immer wieder verlegen. Kann ich Jesus wirklich nur folgen, wenn ich mich von sämtlichem Besitz löse? Kann ich das und vor allem: Will ich das?

Ich will es mir dabei nicht einfach machen. Ich will nicht auf andere zeigen, die vielleicht mehr haben als ich. Aber vielleicht geht es Jesus auch genau darum: Dass Menschen immer dazu neigen, „mehr“ haben zu wollen, in der Annahme, dass sie dann glücklicher sind. Sie laufen dem Reichtum, dem Geld hinterher. Sie sind vom Reichtum, vom Geld förmlich besessen.

Ich glaube, der Reichtum, von dem Jesus spricht, beginnt nicht erst bei den Millionen auf dem Konto, sondern überall dort, wo ich mehr habe, als ich zu einem verantwortlichen Leben brauche. Ich soll mich nicht blenden und in Beschlag nehmen lassen von Geld und Besitz.

Und vor allem: Was macht mich, mein Leben denn wirklich reich? Das sind doch eher die Beziehungen und Freundschaften, das Engagement im Verein oder die Aufmerksamkeit und Sorge anderer Menschen. Das ist es doch, was mich reich macht, auch wenn ich vielleicht materiell wenig habe.

Geld und Besitz sind nicht alles. Das macht Jesus mit seinen Worten deutlich. Auch ohne die Anhäufung von Reichtum lässt es sich sinnvoll leben, vielleicht sogar sinnvoller, als ich es mir manchmal vorstellen kann.

Christian Adolf

An Erntedank wollen Christinnen und Christen Gott für die Schöpfung und ihre Gaben danken. Sie sind sich bewusst, dass der Mensch nicht alles in der eigenen Hand hat, sondern sein Leben und alles, was er dafür braucht, immer auch Gott verdankt. Der Mensch ist Teil der Schöpfung, die ihm gleichzeitig anvertraut ist. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung für die Hege und Pflege und damit für die Bewahrung der Schöpfung.

Demgegenüber steht die zu beobachtende Lebensmittelverschwendung. Allein in Deutschland werden pro Jahr bis zu 18 Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht etwa einem Drittel des Lebensmittelverbrauches. Allein die Produktion dieser Menge verursacht Treibhausgase wie eine Autofahrt über 300 Milliarden Kilometer. Gleichzeitig leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation über 900 Millionen Menschen an Unterernährung.

Diese erschreckenden Daten lassen vermuten, dass uns der ursprüngliche Sinn des Wortes ‚Lebensmittel‘ – ‚Mittel zum Leben‘ – abhandenkommt. Die leichtere Verfügbarkeit von Lebensmitteln in unseren Gefilden führt scheinbar zu einer sich verringernden Wertschätzung dessen, was zum Leben notwendig ist: Früchte der Natur werden trotz der Unterversorgung von nahezu einer Milliarde Menschen achtlos weggeworfen. Gleichzeitig wird durch Produktion, Verarbeitung und Handel eine völlig unnötige erhebliche Umweltbelastung in Kauf genommen.

Wir laden dazu ein, das Erntedankfest als Anlass aufzugreifen, für einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren. 

(aus dem Vorwort der Arbeitshilfe „Lebensmittel genießen, statt wegwerfen – Anregungen zum Erntedankfest“ vom Katholikenrat des Bistums Osnabrück, www.katholikenrat-osnabrueck.de)

 „Seht, nun mache ich etwas Neues!“ (Jes 43,19)

Dieser Satz könnte treffender nicht ausfallen für den Start unserer neuen Pfarrei St. Maximilian Kolbe. Dennoch kann die Reaktion auf diesen Satz sehr unterschiedlich ausfallen: Ich kann freudig und erwartungsvoll dem Neuen entgegensehen, mit Neugier, gespannt, voller Vorfreude.

Dieser Satz kann aber auch Ängste und Zweifel auslösen, weil Neues immer auch Veränderung beinhaltet. Ich kann berechtigterweise die Frage haben, ob Liebgewonnenes, Vertrautes auf dem Weg in die neue Zeit verloren geht.

Beides gehört dazu, wenn „Neues“ entstehen soll: Der Wechsel in eine neue Arbeitsstelle, die neue Wohnung in einer anderen Stadt oder eben auch die Neugründung einer Pfarrei leben von der Spannung, dass möglicherweise Altes, Vertrautes zurückgelassen wird, sich aber gleichzeitig neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen.

„Seht, nun mache ich etwas Neues!“ – Dieser Satz galt damals den Menschen im Exil in Babylonien.

Nachdem die Babylonier das Königreich Judäa erobert hatten, deportierten sie massenweise Menschen, um die verantwortlichen Positionen in Judäa mit ihren eigenen Leuten zu besetzen und so ihre Macht und Herrschaft zu sichern. In Babylonien fanden die Menschen vorübergehend eine neue Heimat. In diese Situation des Exils hinein verspricht Gott, die Menschen durch die Wüste aus Babylon herauszuführen in eine neue Zukunft. Was für eine Verheißung und Ankündigung!

Unsere Situation hier im Hamburger Süden ist sicherlich nicht vergleichbar mit der tiefgreifenden Exilssituation von Juda damals. Dennoch leben auch wir hier in der Spannung zwischen Altem und Neuem, zwischen Skepsis und Neugier, zwischen Ängsten und Hoffnungen.

Wie damals dürfen wir aber auch heute sicher sein, dass Gott unseren Weg begleitet und er uns in eine hoffnungsvolle und lebendige Zukunft führen will. Er will uns ermutigen, nicht nur auf Vergangenes zu schauen, sondern schenkt uns eine Perspektive für die Zukunft.

Christian Adolf