Heiliger Maximilian Kolbe

Funker. Bekenner. Marienfan. - oder: DAS NÄCHSTLIEGENDE TUN.

Die Lebensdaten des Schutzheiligen unserer neuen Pfarrei sind den meisten von uns bekannt. Sie sind auch hier noch einmal zusammengetragen. Aber haben Sie Maximilian Maria Kolbe, Mönch, Missionar und Publizist, bereits für sich entdeckt?

Was hat dieser glaubensstarke Christ, der im Hungerbunker starb, um einem Mithäftling genau diesen Tod zu ersparen, unserer neuen Pfarrei außer seinem Namen noch mitzugeben?

Wir laden Sie ein, einige Details aus Maximilians Kolbes Leben und Wirken noch einmal neu zu betrachten und sich für Sie ganz persönlich, aber auch für unsere neugegründete Pfarrei, von diesem außergewöhnlichen Menschen inspirieren zu lassen.

Ein außergewöhnlicher Mensch

Rajmund Kolbe wurde am 7. Januar 1894 als Kind einer Weberfamilie im polnischen Städtchen Zduῄska Wola geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder besuchte er die Franziskanerschule in Lemberg. Den Namen Maximilian Maria nahm der damals Siebzehnjährige bei seinem Eintritt in den Franziskanerorden im Jahr 1911 an. Er fiel als besonders begabt auf und wurde vom Orden entsandt, ab 1912 an der päpstlichen Universität in Rom zu studieren. Hier promovierte er in Philosophie (1915) und Theologie (1919). Er empfing die Priesterweihe im Jahr 1918.

Noch in Rom gründete er zusammen mit Mitbrüdern die missionarisch ausgerichtete Gebetsgemeinschaft Militia Immaculatae, zu deutsch Ritterschaft der Unbefleckten; diese Gemeinschaft besteht bis heute.

Zurück in Polen, lehrte Maximilian Maria Kolbe am Priesterseminar der Franziskaner in Krakau und intensivierte seine in Rom begonnene publizistische Tätigkeit über Presse und Rundfunk. Von nun an schrieb, verlegte und veröffentlichte er, wo immer er hinkam. Einzig seine seit Kindheitstagen schwache Gesundheit dämpfte seinen Missionseifer; zwei ernste Tuberkuloseerkrankungen machten Krankenhausaufenthalte von jeweils über einem Jahr Dauer nötig. Auf der Krankenstation wirkte er jedoch weiter und wurde zum „Engel der Kranken“, denen er unermüdlich, selbst schwerkrank, beistand und Mut machte, wobei er sich immer als Werkzeug der unbefleckten Gottesmutter verstand.

1927 gründete Maximilian Maria Kolbe in Teresin das Kloster Niepokalanów, Stadt der Unbefleckten. Hier lebten wenige Jahre nach Gründung bereits über 700 Mönche, das Kloster besaß eine eigene Rundfunkstation, eine Druckerei, ein Krankenhaus, einen Flugplatz sowie einen Bahnhof. Zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen zur Glaubensvertiefung und zur Bekehrung von Nicht- Katholiken wurden hier produziert; darunter auch Kleine Ritter der Immaculata, eine katechetische Zeitschrift für Kinder, sowie eine Tageszeitung.

Ab 1930 reiste Pater Kolbe für sechs Jahre nach Japan, wo er am Priesterseminar lehrte und wiederum publizistisch tätig war; neben einigen Missionsstationen gründete er zudem das Kloster Mugenzai no Sono, Garten der Unbefleckten Empfängnis.

Zurück in Polen entspann sich die Machtübernahme durch Hitler und der Zweite Weltkrieg begann. Das Kloster Niepokalanów nahm zeitweise über 1000 jüdische Flüchtlinge auf. Pater Kolbe wurde zweimal verhaftet und wieder freigelassen; erst beim dritten Mal brachte man ihn in das Konzentrationslager Auschwitz, wo er am 14. August 1941 starb.

 

Am 29. Juli 1941 gelang einem der Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz die Flucht; zur Vergeltung für diese Bloßstellung verurteilte der Lagerkommandant zehn der verbliebenen Häftlinge zum Tod durch Verhungern in einer fensterlosen Zelle, dem Hungerbunker. Der Lagerkommandant zeigte willkürlich auf zehn Häftlinge, die hierdurch verurteilt waren. Maximilian Kolbe war nicht dabei. Als jedoch einer der Verurteilten aufschrie und rief, er habe zwei Söhne und eine Frau, trat Maximilian Kolbe aus der Reihe heraus und bat ruhig den Kommandanten darum, statt des Familienvaters in den Hungerbunker gehen zu dürfen. Konsterniert auf Grund des doppelten Ungehorsams des Häftlings- des Ungehorsams, seine Aufstellungsreihe zu verlassen (hierauf stand die Todesstrafe) und der unerhörten Bitte, nicht verschont sondern für den Anderen getötet zu werden- gab der Kommandant der Bitte statt.

Pater Maximilian Kolbe wurde mit neun weiteren Menschen in den Hungerbunker geschlossen. Einige starben nach wenigen Tagen; andere hielten länger durch. Unaufhörlich aber seien, so heißt es, Gesänge und Gebete aus dem Bunker gedrungen. Pater Kolbe stand wieder allen Mitleidenden bei, leitete sie an, weiter zu singen und zu beten. Nach zwei Wochen waren vier Häftlinge noch am Leben, Pater Kolbe als einziger bei Bewusstsein. Es sei keine Klage aus seinem Mund gekommen. Ein Henker wurde geschickt; dieser injizierte Pater Kolbe und den drei Übrigen das Nervengift Phenol, das den sofortigen Tod herbeiführte.
Am 15. August 1941, am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, wurde Pater Maximilian Kolbes Leichnam verbrannt.

Als Bekenner des Glaubens wurde Maximilian Maria Kolbe am 17. Oktober 1971 durch Papst Paul VI. selig- und am 12. Oktober 1982 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Franz Gajowniczek, der Familienvater, an dessen Stelle Kolbe in Auschwitz starb, war bei der Heiligsprechung zugegen. 1

Über einige Aspekte der Person und des Glaubens von Maximilian Maria Kolbe möchte ich im Folgenden nachdenken und sie für unsere neue Pfarrei im Hamburger Süden zu erschließen versuchen.

1 Vgl für die Abschnitte „Leben“ und „Tod“: Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Namenspatrone im
Jahreslauf, Pattloch Verlag 1993, Eintrag 14. August/ Maximilian Kolbe, sowie Ökumenisches Heiligenlexikon, https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maximilian_Kolbe.htm

Über einige Aspekte der Person und des Glaubens von Maximilian Maria Kolbe möchte ich im Folgenden nachdenken und sie für unsere neue Pfarrei im Hamburger Süden zu erschließen versuchen.

Würde Pater Kolbe heute leben, wäre er wahrscheinlich ein begeisterter Social-Media-User. Seine Botschaft, dass Maria alle Seelen retten und zu Christus führen will, würde er über eigene, sicherlich zahlreiche Kanäle auf Instagram, Twitter und YouTube posten. Zu seiner Lebenszeit entwickelte sich jedoch gerade erst die Funktechnik, und diese nutzte er mit Begeisterung und Eifer für seine Mission. Den Amateurfunk, sein Lieblingshobby, das seine verlegerische Arbeit ergänzte, bezeichnete er als „Verständigungsmittel gutwilliger Menschen in aller Welt“.

Sein unbedingter Wille zur Verbreitung seiner Botschaft scheint mir außer dem missionarischen Eifer und beständigem Fleiß noch eine andere Seite zu haben: es ist ein starkes Sendungsbewusstsein darin zu wahrzunehmen. Pater Kolbe lehrte, schrieb, funkte; er trug seine Hoffnung und seinen Auftrag in die Welt bis hin zu seinen allerletzten, kaum noch hörbaren Gebeten im Hungerbunker. Pater Kolbe verstummte nicht. Er sendete, weil er sich gesandt wusste, und er sendete unaufhörlich; jedoch nie um seiner Person oder seiner eigenen Worte willen, sondern für seinen Auftrag: das Heil der Seelen durch Vermittlung Marias zu verkünden. So konnte er als selbst Erkrankter den Kranken beistehen, als Verhungernder in Auschwitz den anderen Hungernden Trost und Hoffnung spenden.

Funker, der: Fachmann, der für die drahtlose Übermittlung von Nachrichten ausgebildet ist. (Anmerkung: zu Maximilian Kolbes Zeiten gab es noch keine Funkerinnen. Heute dürfen wir ergänzen: Funkerin, die: Fachfrau, die für die drahtlose Übermittlung von Nachrichten ausgebildet ist.[1]

[1] Vgl. für den Abschnitt „Funker“: Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, Eintrag „Funker“, <https://www.dwds.de/wb/Funker>, abgerufen am 17.08.2021

In einer Anekdote, deren Herkunft nicht mehr auszumachen ist, heißt es[1]: Im Kloster Niepokalanów grüßten sich die Mönche anstatt des traditionellen „Gelobt sei Jesus Christus!“ einfach mit dem Wort „Maria“. Ein Grund für den älteren Bruder Maximilian Kolbes, sich Sorgen zu machen: „Der neue Gruß sieht ein wenig nach Boykott aus gegenüber dem Herrn Jesus- Was soll daraus werden?“

Die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariens war für den Franziskanerpater schon früh spirituelles Herzstück. Das Pauluswort aus dem Philipperbrief (Phil4,13) ergänzte Pater Kolbe so:  “Ich vermag alles in dem, der mich stark macht- durch die Unbefleckte“.

Welcher Zusammenhang lässt sich finden zwischen dem von marianischer Haltung durchwirkten Glauben Kolbes und der Art, wie er in den Tod ging? Wäre es in Kolbes Sinn, in Bezug auf das Opfer seines Lebens für den unbekannten Familienvater im KZ von Heldentum, von einer Heldentat zu sprechen? Mir scheint, dass der ruhig und spontan gefasste Entschluss Kolbes eher durch den Mut zu verstehen ist, der aus der Demut kommt: eine Demut, die von der Liebe nicht nur redet, sondern aus der Liebe die einzig mögliche Konsequenz zieht: das Nächstliegende zu tun. Jetzt. Christus ist nirgendwo anders als in meinem Nächsten.

Pater Kolbe wurde 30 Jahre nach seinem Tod zunächst als Bekenner des Glaubens seliggesprochen; das ungewohnte Wort lohnt es sich im Hinblick auf unsere Pfarrei, die seinen Namen trägt, wiederzuentdecken.

Wir bekennen unseren Glauben Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis, lateinisch Credo: Ich glaube. Im Lateinischen hat also dies Bekenntnis kein Substantiv zum Titel, sondern ein Verb, ein Tu- Wort. Glauben und Bekennen können wir nicht trennen, und Bekennen und Tun gehören zusammen. Wer glaubt, der muss (sich) bekennen, und wer bekennt, der wirkt unweigerlich in die Welt hinein.

Heute reden wir weniger oft von Bekenntnis als von Meinungen und Überzeugungen, die wir haben; die jeder haben soll und haben darf. Ein Bekenntnis kann ich jedoch nicht „haben“. Bekenntnis ist vor allem, was ich tue; sonst ist es lediglich ein „Lippenbekenntnis“.  Maximilian Kolbes Schritt aus der Reihe der Häftlinge heraus war ein Bekenntnis. Dass er sich das Wort gegenüber dem Lagerkommandanten nahm, um das Überleben seines Mitgefangenen gegen sein eigenes zu erreichen, war ein Bekenntnis.  Sein Nicht- Verstummen im Hungerbunker war ein Bekenntnis.

Und wer kann sagen, ob die Giftspritze, die der Henker dem fast Verhungerten schließlich verabreichte, nicht das letzte Mittel der Lagerführer war, um dies unbequeme, unangenehme Bekennen endlich zum Schweigen zu bringen? Die Litaneien und Gebete des Paters, dessen Schicksal besiegelt war und der sich doch gerettet wusste, müssen die präzis- tödliche Maschinerie des Konzentrationslagers empfindlich gestört haben.

Bekenntnis ist beharrlich. Sich zu bekennen, unbequem. Doch Bekenntnis wirkt.

Möge Gott mit großer Liebe über die neue Pfarrei St. Maximilian Kolbe denken und möge unser Bekenntnis hörbar, entschlossen und liebevoll sein!

In seinem letzten Brief schreibt Maximilian Kolbe an seine Mutter:
„Sei, liebe Mutter, ruhig über mich und meine Gesundheit.
Der liebe Gott ist in jedem Ort und denkt mit großer Liebe über alle und alles.“

Verfasserin: Ursula Ros, Gemeindeassistentin

Verwendete Quellen:
1) Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Pattloch Verlag 1993, Eintrag 14. August/ Maximilian Kolbe
2)  Ökumenisches Heiligenlexikon, https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maximilian_Kolbe.htm
3) Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, Eintrag „Funker“, <https://www.dwds.de/wb/Funker>, abgerufen am 17.08.2021.

Maximilian Kolbe

ist Patron der Journalisten und Amateurfunker

„Werkzeug und Eigentum, absolutes, unbedingtes,
unbegrenztes, unwiderrufliches Eigentum der Unbefleckten will ich sein …“
Maximilian Kolbe im Jahr 1920

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funken ‘Funken geben’. Die Bedeutung ‘durch elektromagnetische Wellen übermitteln, drahtlos telegrafieren’ entsteht im Anschluss an Funkentelegrafie.